Ein Wochenende voller Erinnerung, Jubiläum und Wiedersehen
Der Frühling zeigte sich von seiner schönsten Seite, als sich Züchter, Liebhaber und Freunde des langen Gefieders am 18. und 19. April in der Mehrzweckhalle Förste zur 14. Bundesschau des SV Phönix, Zwerg Phönix und Onagadori, SV zur Erhaltung Asiatischer Langkräherrassen und dem Internationalen Ohiki Club einfanden. Doch diese Schau war weit mehr als eine reguläre Bundesschau: Sie trug den Charakter eines besonderen Gedenkens und eines stolzen Jubiläums.
Ehrendes Gedenken: Josef Rüsenberg und Gerhard Stähle
Von Beginn an war spürbar, dass diese Veranstaltung unter einem besonderen Zeichen stand. Die 14. Bundesschau war zugleich die Josef Rüsenberg und Gerhard Stähle-Gedächtnisschau – eine würdige Hommage an zwei Männer, die sich in außergewöhnlicher Weise um die Zucht, Pflege und Verbreitung dieser faszinierenden Rassen verdient gemacht haben.
Insbesondere den Verlust unseres Ehrenvorsitzenden Josef Rüsenberg betrauern wir sehr. Über 50 Jahre widmete er mit Herzblut und Hingabe vor allem den Zwerg-Phönixen, diese stellte er bereits 1970 auf der Nationalen Bundessiegerschau in Frankfurt aus. Maßgeblich hat er auch an der Zusammenführung der SZG aus der damaligen DDR und des SVs mitgearbeitet. 2022 wurde ihm dank seiner herausragenden züchterischen Leistungen der Titel Meister der Zwerghuhnzucht im VZV verliehen. Außerdem war er von 2010 bis 2021 1. Vorsitzender unseres Sondervereins.
Persönlich habe ich ihn leider nur kurz kennenlernen dürfen,
25 Jahre Internationaler Ohiki Club – ein Vierteljahrhundert Leidenschaft
Parallel zur Gedächtnisschau feierte der Internationale Ohiki Club in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum – ein Meilenstein, der entsprechend gewürdigt wurde. Seit seiner Gründung hat der Club die Zucht und Erhaltung des Ohiki, eines der anmutigsten Zierzwerge überhaupt, mit großem Engagement vorangetrieben.
Das große Wiedersehen: Asiatische Langkräher kehren zurück
Vielleicht die freudigste Nachricht für viele Besucher war die Rückkehr der Asiatischen Langkräher ins Schaugeschehen. Nach einer mehrjährigen Pause waren die faszinierenden Tiere des SV zur Erhaltung Asiatischer Langkräherrassen endlich wieder Teil der Bundesschau.
Im Rahmen der 14. Bundesschau in Förste wurden insgesamt 30 Onagadori von 3 Züchtern sowie 20 Phönix von 4 Züchtern präsentiert. Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den Phönixen, deren Meldezahlen wieder ansteigend sind. Dennoch sollte es das gemeinsame Ziel sein, wieder mehr Vereinsmitglieder zur aktiven Teilnahme an Ausstellungen zu motivieren und die eigenen Tiere einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, denn eine erfolgreiche und nachhaltige Vereinsarbeit kann nur dann gelingen, wenn Züchter regelmäßig an Zusammenkünften teilnehmen und der persönliche sowie fachliche Austausch die Grundlage für eine kontinuierliche Verbesserung der Zuchtarbeit bildet. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass in diesem Jahr erstmals auf keiner Bewertungskarte ein abstreifbarer Ring vermerkt wurde – ein wichtiger Fortschritt, der die züchterische Entwicklung in die richtige Richtung zeigt. Vor diesem Hintergrund sollte geprüft werden, einen Antrag auf Anpassung der Ringgrößen 14 zu stellen, um diese positive Entwicklung langfristig abzusichern
Onagadori
Bei den Onagadori zeigte sich in der Farbe Goldhalsig (6,4), dass vier Hähne von Klaus Lüft sowie zwei Hähne und zwei Hennen von Joachim Nick vorgestellt wurden, wobei ein Hahn von Klaus Lüft mit der Höchstnote V 97 (SV-Band) überzeugte. Die gezeigten Tiere bestachen durch sehr gute Zuchttypen, eine ansprechende Körpergröße und besonders reine Ohrscheiben; in der weiteren Zuchtarbeit sollte künftig verstärkt auf eine korrekte Flügelhaltung sowie einen strafferen Schwanzaufbau geachtet werden. In Silberhalsig (6,5) traten fünf Hähne und fünf Hennen von Mike Heimrich sowie ein Hahn von Joachim Nick an. Ein Hahn aus der Zucht von Mike Heimrich brillierte mit herausragenden V 97 Punkten (LV-Band), während ein weiterer mit HV 96 Punkten (Stösetal Band) auf sich aufmerksam machte. Die Qualität war insgesamt sehr hoch, wobei künftig auf eine glattere Ausprägung der Ohrscheiben, die Vermeidung eines Gelbstichs im Silber, eine höhere Flügelhaltung sowie harmonischere Gefiederübergänge zu achten ist. Bei Orangehalsig (2,2) zeigte Joachim Nick zwei Hähne und zwei Hennen mit sauberen Ohrscheiben, die farblich jedoch etwas zu hell für diesen Farbenschlag erschienen, sodass hier züchterisch gegenzusteuern ist und die Sattelpartie künftig geschlossener ausgebildet werden sollte. In Weiß (2,3) wurden zwei Hähne von Joachim Nick sowie drei Hennen von Klaus Lüft ausgestellt, von denen eine Henne von Klaus Lüft mit HV 96 (Josef Rüsenberg Gedächtnispreis) überzeugte; während die Hennen dem Rassestandard typisch entsprachen, zeigten die Hähne deutliche Farbabweichungen, weshalb die Zucht verstärkt auf eine korrekte Farbausprägung achten sollte.
Phönix
Bei den Phönix zeigten sich in Wildfarbig (2,6) je ein Hahn von der Zuchtgemeinschaft Lemke und von Wolfgang Vallan sowie jeweils zwei Hennen von der Zuchtgemeinschaft Lemke, Wolfgang Vallan und Axel Rudolph; die Tiere ließen in Haltung und Gleichmäßigkeit der Färbung noch Verbesserungspotenzial erkennen, wobei bei den Hennen auf strafferes Gefieder und präzisere Zeichnung hinzuarbeiten ist. In Goldhalsig (1,3) stellten Wolfgang Vallan einen Hahn und eine Henne sowie Axel Rudolph zwei Hennen, wobei die beste Henne von Axel Rudolph mit HV 96 bewertet wurde; die Tiere überzeugten durch guten Stand, sollten züchterisch aber reinere Augen und ein sauberer ausgeprägtes Kammblatt zeigen. In Weiß (0,2) präsentierte Axel Rudolph zwei Hennen mit guter Standfreiheit, wobei die Ausbildung der Kehllappen künftig mehr Beachtung finden sollte. In Schwarz (2,4) zeigten die Zuchtgemeinschaft Lemke und Katja Lüft je einen Hahn sowie die Zuchtgemeinschaft Lemke, Wolfgang Vallan und Katja Lüft (mit zwei Hennen) weibliche Tiere, wobei Katja Lüft mit HV 96 (LV-Band) das „beste Tier" stellte; züchterisch ist auf kräftigere Ohrscheiben sowie mehr Blüte im Gesicht und hellere Augen hinzuarbeiten.
Zwerg- Phönix
Bei den Zwerg-Phönix wurden insgesamt 34 Tiere ausgestellt: 14 wildfarbige, 8 goldhalsige, 10 schwarze sowie in der AOC-Klasse 1,1 rotgesattelte. Diese Meldezahl ist leider als sehr schwach zu bewerten, da nur 3 der 8 anerkannten Farbenschläge präsentiert wurden – ein historisches Negativergebnis, das als Weckruf für die gesamte Züchterschaft dienen sollte. Die wildfarbigen Tiere (4,10) stellten mit 14 Exemplaren die größte Gruppe und zeigen als einzige Farbe eine positive Entwicklung der Meldezahlen auf den Bundesschauen der letzten Jahre. Die Hähne überzeugten durch gute Mantelfarbe und Schmuckgefieder samt Gefiederlänge, blieben jedoch in Typ und Form weiterhin weit vom gewünschten Standardbild entfernt; die Hennen zeigten schöne Kopfpunkte und gute Lauffarbe, wiesen aber dieselben Schwächen auf – zu kurze Körper, fehlende Standhöhe und ein insgesamt plumpes Erscheinungsbild. Angesichts des noch vorhandenen Verbesserungspotenzials bei diesem Entwicklungsfarbenschlag, das bei der zuchtstandsbezogenen Bewertung berücksichtigt wurde, konnten dennoch einmal V 97 (VZV-Medaille) sowie einmal HV 96 (Stösetal Band) vergeben werden – beide Tiere aus der Zucht von Nick Vowinkel. Die goldhalsigen Tiere (2,6) präsentierten sich dagegen erfreulich elegant, mit positiv hervorzuhebender Körperlänge, Kopfpunkten, teilweiser Standhöhe und Haltung sowie Ober- und Unterlinie; Verbesserungsbedarf besteht beim strafferen Gefieder und einem geordneteren Schwanzaufbau. Als Alleinaussteller glänzte Hartmut Schenk mit einer außergewöhnlichen Preisausbeute von 2× V 97 (Kreisverbands-Ehrenpreis, Josef Rüsenberg Gedächtnispreis) und 2× HV 96 (LV-Band, Ehrenpreis). Bei den schwarzen Tieren (4,6) zeigten die Hennen teilweise gute Linienführung, Haltung und Standhöhe, allerdings ist – wie bereits in der Vergangenheit festgestellt – vermehrt schwarze Gesichtsfarbe durch Melanineinlagerung zu beobachten, wodurch die Ohrscheiben nicht mehr weiß erscheinen und die Augenfarbe zu dunkel wird, was züchterische Aufmerksamkeit erfordert. Odin Gerlich erhielt einmal HV 96 (Sonderehrenpreis), Katja Lüft einmal V 97 (Josef Rüsenberg Gedächtnispreis). Bei den Hähnen war das Tier von Odin Gerlich besonders hervorzuheben, das von Form und Typ sehr nah am Standard war, jedoch wegen einer Falte in der Kehllappe nicht über SG 95 hinauskam; der Hahn von Katja Lüft mit der höchsten Bewertung erhielt HV 96 (SV-Band) und war zwar weniger elegant, überzeugte aber mit Federfülle und -länge sowie gleichmäßigen Proportionen. Den Abschluss bildeten in der AOC-Klasse die beiden rotgesattelten Tiere (1,1) von Nick Vowinkel, für deren mögliche Anerkennung noch erhebliche Zuchtarbeit erforderlich ist: Der Hahn kam durch mangelnde Sattelbefiederung nicht über G 91 hinaus, zeigte aber mit seinem freien Stand gute Ansätze beim Typ, war insgesamt jedoch noch zu grob und ihm fehlte die nötige Eleganz; die Henne zeigte ebenfalls eine gute Standhöhe sowie eine lang gestreckte Oberlinie mit vollem Abschluss, war im Typ aber ebenfalls noch recht grob und wurde am Ende mit SG 95 (Sonderehrenpreis) bewertet..
Dank und Ausblick
Am Ende eines langen und erfüllenden Ausstellungswochenendes gebührte allen Beteiligten herzlicher Dank: den Ausrichtern für die reibungslose Organisation, den Züchtern für ihre Bereitschaft, ihre Tiere zu zeigen, und nicht zuletzt den zahlreichen Besuchern, die der Schau einen festlichen Rahmen gaben.
Die 14. Bundesschau bleibt als eine ganz besondere Veranstaltung in Erinnerung – eine Schau, die Trauer und Freude, Tradition und Aufbruch auf einzigartige Weise verband. Der Zuchtwartbericht macht dabei deutlich: Es gibt viel zu feiern, aber auch noch viel zu tun. Mögen die nächsten Jahre von Zusammenhalt, Leidenschaft und züchterischem Fortschritt geprägt sein – und möge das lange Gefieder weiter faszinieren.